1999 / CD-See


CD-See

Kittsee, der nordburgenländische Grenzort zu Bratislava, hat keinen See. Im Sommer 1999 bekommt er einen im Schlosspark, wenn auch nur in virtueller Form. Der CDsee besteht aus insgesamt 7000 bespielten CD Scheiben, die einzeln auf Eisenstäben montiert und in die Erde geschlagen sind.
Die mit Gummidichtungen befestigten CD-Scheiben bleiben flexibel, bewegen sich im Wind und spiegeln die jeweilige Farbe des Himmels. Wie echtes Wasser ist der CD-See ein Speicher an Information und Energie.

Der CD-See ergänzt und vervollständigt die Skulptur “Bridge or Border” von Georg Scheibenbauer, die sich mit der Grenzsituation am ehemaligen eisernen Vorhang auseinandersetzt und wurde im Herbst 1999 wieder demontiert.

Idee und Konzept: Markus Tripolt
Umsetzung: Markus Tripolt, Georg Scheibenbauer, Michael Denk

Design der “Generation whY”
Rafaela Kitzmantel – RONDO/der Standard vom 21.Jänner 2000

Markus Tripolt definiert Kommunikationsdesign im öffentlichen Raum neu.

Schon als Markus Tripolt noch Maler- und Anstreicher war, begann er sich über das “Warum” Gedanken zu machen: Die Frage nach dem Sinn von Gestaltung des öffentlichen Raumes führte zu eigenen Ideen für das “Wie” der Ausführung – und schließlich zur Gründung der Werkstätte Meistermaler. Mit deren Erfolgen, wie etwa ein 1990 auf der europäischen Designkonverenz preisgekröntes Kinderzimmer, hatte Tripolt aber sein Ziel noch nicht erreicht.

Er lässt sich auf der Wiener Werbeakademie zum Grafikdesigner ausbilden und eröffnet 1995 sein Atelier für außergewöhnliche Kommunikation. Hier entwickelt Tripolt seither Projekte zur Gestaltung des öffentlichen Raums. Wie diese begrifflich einzuordnen sind, ist sich der Meistermaler selbst noch nicht im Klaren: “Ich bewege mich zwischen Grafik- und Objektdesign, Konzeptkunst und Handwerk”, mein Tripolt.

Ein gemeinsames Leitmotiv seiner Arbeiten kristallisiert sich jedoch schon heraus – meist steckt soziales oder politisches Engagement dahinter. Erst im Dezember war Tripolt mit seinem “demokratischen Gesamtkunstwerk” vor dem Parlament in aller Munde. 183 bunt lackierte Sessel – von Wienern gestiftet – sollen den Nationalrat zur Erhaltung der Menschenrechtskonvention mahnen. Aufgrund des großen Erfolges möchte Tripolt diese Aktion zum Menschenrechtstag auch in anderen EU Hauptstädten etablieren.

Für sein als Kommunikationsspiel getarntes integratives Projekt Tauschen ist wichtyg, mußte Tripolt sich letztes Jahr erst auf die Suche nach Mitspielern machen. Im Gürtel-Cafè Carina fanden sich schließlich Freiwillige ein, die sich in einen regen Tauschhandel von Wörtern begaben: aus den – päckchenweise erstandenen und mit je einem Wort bedruckten – Aufklebern sollte ein Pickerl-Album gefüllt werden. Zu dessen Vervollständigung mussten die Mitspieler Aufkleber untereinander austauschen. Zudem war das “i” in den Worten ein fremdes: So geht ein Hayder-Pickerl gegen Yntegration über den Tisch, die Lyebe gegen die Verzweyflung.

Aus dem Spiel ums “fremde i” sollte eine Reflexion über das Fremde ansich entstehen. “Durch die Beschäftigung mit anderem lernt man auch viel über sich” hofft Tripolt. Von seiner “Generation Y” (sprich why), möchte er schließlich keine Antworten, sondern vorallem die richtigen Fragen hören.

Diese konnte man sich letzten Sommer auch bei Schloss Kittsee stellen. An der burgenländisch-slovakischen Grenze näherte sich Tripolt mit einer Landschaftsgestaltung den Problemen und Chancen der EU-Osterweiterung an. Um einen Steg herum ordnete er CDs an, die, sich auf Stahlstiften bewegend, einen See symbolisierten. Der Steg hatte nur auf einer Seite einen Stiegenaufgang- das Wasser verhinderte nun den Absprung in die andere Richtung. Ein Bild, das durchaus symbolisch für die Osterweiterung gesehen werden kann. “Hinter dem oberflächlichen Glitzern der westlichen Gesellschaft – dem Schimmer der CDs im Sonnenlicht – liegen womöglich verborgene, dunkle Seiten. Man sollte sich durch die vielleicht verführerische Oberfläche nicht über Probleme hinweg täuschen lassen,” meint Tripolt.

Für dieses Jahr plant Tripolt das Revival des Minygolfplatzes (sic!) hinter der Wiener Votivkirche. Im Kosovo-Krieg hat er mit einem Turnier der “kreativen Frechen” Care Österreich unterstützt. Nun soll der Rooseveltplatz zu einem Forum der “Generation Y” werden.

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DESIGN DER “Generation whY”
Rafaela Kitzmantel – RONDO/der Standard vom 21.Jänner 2000

Markus Tripolt definiert Kommunikationsdesign im öffentlichen Raum neu.

Schon als Markus Tripolt noch Maler- und Anstreicher war, begann er sich über das “Warum” Gedanken zu machen: Die Frage nach dem Sinn von Gestaltung des öffentlichen Raumes führte zu eigenen Ideen für das “Wie” der Ausführung – und schließlich zur Gründung der Werkstätte Meistermaler. Mit deren Erfolgen, wie etwa das 1990 auf der europäischen Designkonverenz preisgekrönte Kinderzimmer “Roll Wall”, hatte Tripolt aber sein Ziel noch nicht erreicht.

Er lässt sich auf der Wiener Werbeakademie zum Grafikdesigner ausbilden und eröffnet 1995 sein Atelier für außergewöhnliche Kommunikation. Hier entwickelt Tripolt seither Projekte zur Gestaltung des öffentlichen Raums. Wie diese begrifflich einzuordnen sind, ist sich der Meistermaler selbst noch nicht im Klaren: “Ich bewege mich zwischen Grafik- und Objektdesign, Konzeptkunst und Handwerk”, mein Tripolt.

Ein gemeinsames Leitmotiv seiner Arbeiten kristallisiert sich jedoch schon heraus – meist steckt soziales oder politisches Engagement dahinter. Erst im Dezember war Tripolt mit seinem “demokratischen Gesamtkunstwerk” vor dem Parlament in aller Munde. 183 bunt lackierte Sessel – von Wienern gestiftet – sollen den Nationalrat zur Erhaltung der Menschenrechtskonvention mahnen. Aufgrund des großen Erfolges möchte Tripolt diese Aktion zum Menschenrechtstag auch in anderen EU Hauptstädten etablieren.

Für sein als Kommunikationsspiel getarntes integratives Projekt “Tauschen ist wichtyg”, mußte Tripolt sich letztes Jahr erst auf die Suche nach Mitspielern machen. Im Gürtel-Cafè Carina fanden sich schließlich Freiwillige ein, die sich in einen regen Tauschhandel von Wörtern begaben: aus den – päckchenweise erstandenen und mit je einem Wort bedruckten – Aufklebern sollte ein Pickerl-Album gefüllt werden. Zu dessen Vervollständigung mussten die Mitspieler Aufkleber untereinander austauschen. Zudem war das “i” in den Worten ein fremdes: So geht ein Hayder-Pickerl gegen Yntegration über den Tisch, die Lyebe gegen die Verzweyflung.

Aus dem Spiel ums “fremde i” sollte eine Reflexion über das Fremde ansich entstehen. “Durch die Beschäftigung mit anderem lernt man auch viel über sich” hofft Tripolt. Von seiner “Generation Y” (sprich why), möchte er schließlich keine Antworten, sondern vor allem die richtigen Fragen hören.

Diese konnte man sich letzten Sommer auch bei Schloss Kittsee stellen. An der burgenländisch-slovakischen Grenze näherte sich Tripolt mit einer Landschaftsgestaltung den Problemen und Chancen der EU-Osterweiterung an. Um einen Steg herum ordnete er CDs an, die, sich auf Stahlstiften bewegend, einen See symbolisierten. Der Steg hatte nur auf einer Seite einen Stiegenaufgang- das Wasser verhinderte nun den Absprung in die andere Richtung. Ein Bild, das durchaus symbolisch für die Osterweiterung gesehen werden kann. “Hinter dem oberflächlichen Glitzern der westlichen Gesellschaft – dem Schimmer der CDs im Sonnenlicht – liegen womöglich verborgene, dunkle Seiten. Man sollte sich durch die vielleicht verführerische Oberfläche nicht über Probleme hinweg täuschen lassen,” meint Tripolt.

Für dieses Jahr plant Tripolt das Revival des Minygolfplatzes (sic!) hinter der Wiener Votivkirche. Im Kosovo-Krieg hat er mit einem Turnier der “kreativen Frechen” Care Österreich unterstützt. Nun soll der Rooseveltplatz zu einem Forum der “Generation Y” werden.

1999


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