1999 / 183 bunte Sessel


183 Bunte Sessel

“Wer einen Sitz hat, hat eine Stimme. Und wer eine Stimme hat, soll sie erheben, wenn es um die Einhaltung der Menschenrechte geht!”

Nimm deinen Sessel, streiche ihn bunt und stell ihn vors Parlament. Am 10. Dezember, dem Menschenrechtstag, schaffen wir ein demokratisches Gesamtkunstwerk, eine unübersehbare Installation! Ziel von “183 bunte Sessel” ist es, für je Abgeordnete / für jeden Abgeordneten mindestens einen bunt gestalteten sessel vor dem Parlament zu platzieren.

Wir fordern die Regierung auf, den Artikel 1 der Menschenrechtskonvention zu achten und in seinem Sinne zu handeln.

Wir verlangen, dass jedes persönliche und politische Handeln im Sinne der Menschenrechte geschieht. Kreativität ist dafür Grundvoraussetzung. Diese Kraft machen wir sichtbar.

Jeder Bürger ist dazu eingeladen einen Beitrag zu leisten, um ein Kunstwerk zu schaffen und vervollständigen und der Sehnsucht nach einer humanen, emanzipatorischen Gesellschaft Ausdruck zu verleihen.

Im Jahr 2000 wurde das Projekt zum Menschenrechtstag am 10.Dezember 2000 auf das Europaparlament Srassburg ausgeweitet

1999

der Standard 9.Dezember 1999
183 bunte Sesseln vor dem Parlament
Eine bunte Sitzinstallation zum Tag der Menschenrechte

Wien – Markus Tripolt ist Maler. Maler und Anstreicher. Mit abgeschlossener Lehre. Darauf legt der 34-jährige Wiener großen Wert. Das seine Malerei auch als Kunst durchgeht, nimmt Tripolt aber doch ganz gerne in Kauf. Immerhin malt er ja nicht einfach Zimmer und Küchen aus, sondern gestaltet Fassaden. Am liebsten Feuermauern. oder – wie etwa am 10. Dezember – Rampen.

Um genau zu sein: Tripolt fordert dazu auf, am Freitag dem “Tag der Menschenrechte”, die Parlamentsrampe zu gestalten. Er selbst, betont er, “habe nur die Idee gehabt. Die Ausführung liegt an jedermann und jederfrau”. 183 Sessel will der Wiener am Ende des Tages von der Ringstraße bis zum Eingang des Hohen Hauses aufgestellt sehen. Bunte Sessel, die am Tag der Menschenrechte eine Kette von der Straße unter dem am Eingang des Parlaments eingemeißelten Artikel 1 der Menschenrechtskonvention führen sollen. Das ist, belehrt Tripolt, jener, in dem die Gleichheit aller Menschen postuliert wird. “Als Erinnerung” meint der junge Maler, sollen die Sessel aufgestellt werden. Einer für jeden Abgeordneten. Und bunt sollen sie sein, “damit die Vielfalt unter den Gleichen” dargestellt werde.

Tripolts symbolischer Aktionismus beschränkt sich allerdings nicht nur auf synchrone Sessel- und Abgeordnetenzahlen und dem Weg vom Volk (Straße) zu seinem Vertreter (Parlamentseingang): Die derzeit vielzitierte Zivil- oder Bürgergesellschaft als Ablöse oder Ergänzung zur althergebrachten Delegationsdemokratie, demonstriert Tripolts Sesselschau zum Menschenrechtstag, funktioniert nur, wenn die Bürger daran teilnehmen. “Ich bin nicht der Künstler, der für das Gewissen ein Alibi liefert. Ich organisiere nur die Möglichkeit, ein Sponsor die Farbe. Sessel und Aktivitäten müssen die Leute schon selber bringen.” Die 183 bunten Sessel sollen bis zum 12.Dezember auf der Parlamentsrampe aufgestellt bleiben. (…)

…..

Freitag früh startete der Wiener Künstler Markus Tripolt seine Aktion “183 bunte Sessel” vor dem Parlament am Ring, Anlässlich des Tages der Menschenrechte sollte für jeden Abgeordneten zwischen Ring und Parlament ein bunter Sessel aufgestellt werden und an den Artikel 1 der Menschenrechtskonvention erinnern.

- der Standard 11./12.Dezember 1999
Bunte Sessel, here Worte
Viktor Klima:” Menschenrechte sind österreichische Werte”

Der Sesselwurm unter dem ins Parlamentsportal gemeißelten Artikel 1 der Menschenrechtskonvention war gestern, Freitag nur eines von vielen Statements zum Tag der Menschenrechte. Bundeskanzler Klima erklärte, die Welt sei “weit vom Ideal” entfernt. Auch in Österreich gäbe es Entwicklungen, die “offen und kritisch hinterfragt werden müssen”. (…)

AKTION
Stühle statt Lichter
Nina Weissensteiner – FALTER

Mit 183 Sesseln vorm Parlament will Maler und Anstreicher Markus Tripolt die Abgeordneten zu mehr Sorgfalt beim Thema “Ausländer” mahnen. Wer will, kann seinen eigenen Stuhl mitbringen.

Wenn sie nur einen Moment nachgedacht hätte, wie es wäre wenn sie selbst einen solchen Ausweis ständig bei sich tragen müßte!” Markus Tripolt ist verärgert. Den Vorschlag der freiheitlichen Justizsprecherin Helene Partik-Pable, für Ausländer eine sogenannte “A-Card” einzuführen, auf der Personaldaten, Aufenthaltsstatus und Fingerabdruck gespeichert sind, stößt dem Maler sauer auf. “Das und die Forderung nach TBC-Kontrollen für ausländische Kinder” meint Tripolt, “zeigen dass die Antirassismus Demonstration am 12. November noch nicht alles gewesen sein darf. Wir Bürger müssen uns jetzt so oft wie möglich bemerkbar machen.” Das will der Wiener mit 183 Sesseln erreichen, die er den Abgeordneten vom 10.bis 12. Dezember vors Hohe Haus stellen wird. Vom Gehsteig vor dem Parlament hinauf zur Rampe soll das Mahnmahl gegen Rassismus reichen. Der Aktionist wird “etwa dreißig Stühle mitbringen”, den Rest sollen “Bürger beisteuern, die auch ein Zeichen gegen die Ausländerpolitik einiger Parteien setzten wollen.” Mit seiner Stühle-Aktion solidarisiert sich Tripolt auch mit den Vertretern der “Demokratischen Offensive”, jener Plattform, die zur Demonstration “Keine Koalition mit dem Rassismus” aufrief, bei der vor drei Wochen mehr als 50.000 Leute mitmarschierten.

Warum ausgerechnet Stühle Mandatare zu mehr Sorgfalt beim Thema Ausländer anhalten soll? “Die Sessel sollen Abgeordnete daran erinnern, das ihr Sitz vom Volk gewählt wurde und sie deshalb im Parlament im Sinne der Menschen und nicht als Herdentiere für eine Partei agieren müssen. jeder Mandatar müsste in seinen Reden eigentlich vermeiden, von den Ausländern zu reden, und Lösungen für dieses Thema suchen – als ob er selbst betroffen wäre.” Einen Wunsch hat der Aktionist an jene, die ihren eigenen Stuhl mitbringen wollen. “Ich hätte gerne, das die Stühle bunt getrichen werden.” Maler und Anstreicher Tripolt glaubt zu wissen, was diese Tätigkeit bewirken kann: “Anstreichen ist ein monotoner Akt, bei dem man gut nachdenken kann. Die Gedanken erholen sich vom Informationsgewitter der Tagespolitik.” – Wer seinen Sessel vors Parlament stellen will, findet Information unter www.buntesessel.at


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